Deutschland ohneEU? Ein Todesstreifen.
- dne.partners

- 11. Jan.
- 14 Min. Lesezeit
Warum gerade wir alle Gründe dieser Welt haben, Europa jetzt neu aufzustellen und zu einem starken Bündnis zu schmieden.
Von Dirk Neubauer
Wer dieser Tage Zeitung liest, der liest viel EU-Bashing. Politiker wie Ministerpräsident Kretschmer (CDU) schimpfen auf die EU, als säße dort der Feind. Nur wenige Stimmen treten FÜR dieses Bündnis ein, das uns immerhin Wohlstand und die längste Friedensperiode brachte, an die sich Menschen in unseren Breiten erinnern können. Und natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber haben wir zu Europa wirklich eine Alternative? Jetzt, da China, Russland und Amerika die Welt neu unter sich aufteilen? Nein! Haben wir nicht. Deutschland wäre sogar wirtschaftlich und politisch dem Untergang geweiht. 200 bis 500 Millionen Wohlstandsverlust im Jahr durch den Einbruch des BIP. 2,5 Mio gefährdete Jobs und ein Reallohnverlust, der sich gewaschen hat. Das sagen viele Studien für eine nationalen Alleingang Deutschlands voraus, sollte die EU scheitern oder wir den von der AxD geforderten Dexit praktizieren. Doch statt sich nun für Europa stark zu machen, wird Brüssel niedergeredet, als wäre dies die Lösung.
Das Gegenteil ist der Fall. Retten wir jetzt nicht Europa, ist Deutschland verloren.
Das Jahr 2026 markiert eine Zäsur in der Geschichte der internationalen
Beziehungen, die in ihrer Tragweite
mit dem Jahr 1989 oder 1945 vergleichbar ist. Die über Jahrzehnte kultivierte Illusion einer liberalen, regelbasierten Weltordnung ("Rules-Based International Order"), die im Kern durch die Hegemonie der Vereinigten Staaten und die normative Kraft europäischer Institutionen gestützt wurde, ist faktisch kollabiert. An ihre Stelle ist ein rohes, neo-imperiales System getreten, das die Welt in exklusive Einflusssphären unterteilt. Diese Neuaufteilung wird nicht mehr durch multilaterale Verträge oder Völkerrecht moderiert, sondern durch transaktionale Absprachen ("Grand Bargains") zwischen den verbleibenden Großmächten: den Vereinigten Staaten, der Volksrepublik China und der Russischen Föderation.1
Für die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union (EU) stellt diese Entwicklung eine existenzielle Bedrohung dar.
Das deutsche Geschäftsmodell, das oft als synergetische Verbindung aus billiger russischer Energie, stetig wachsenden chinesischen Absatzmärkten und einer kostenlosen amerikanischen Sicherheitsgarantie beschrieben wurde, hat sich in Luft aufgelöst.3 Die Annahme, dass ökonomische Verflechtung ("Wandel durch Handel") politische Stabilität und Sicherheit garantieren würde, hat sich als fataler Irrtum erwiesen.

In dieser neuen Weltordnung, in der Geopolitik über Geoökonomie
triumphiert, steht die Europäische Union vor der Gefahr, zum bloßen Objekt fremder Mächte zu degradieren – "sidelined" in den Entscheidungen über Krieg und Frieden auf dem eigenen Kontinent.2
Das ist bitter. Doch die Analyse zeigt, dass der Rückzug auf den Nationalstaat ("Dexit") auch keine Wiedererlangung von Souveränität bedeuten würde, sondern den direkten Weg in die geopolitische und ökonomische Bedeutungslosigkeit. bedeuten würde. Wir müssten also gerade alles tun, um Europa zu retten. Gerade wir. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Die psychologische Krise der "Zivilmacht" Deutschland
Deutschland definierte sich seit der Wiedervereinigung 1990 als "Zivilmacht" – eine mittlere Macht, die durch Soft Power, Entwicklungshilfe und multilaterale Einbindung Einfluss ausübt, anstatt durch militärischen Zwang.5 Diese Identität funktionierte exzellent unter dem Schirm der USA. Mit dem Wiedereinzug von Donald Trump ins Weiße Haus und seiner expliziten Abkehr von der transatlantischen Wertegemeinschaft hin zu einer rein transaktionalen "America First"-Politik, verliert dieses Konzept jedoch seine Basis. Die neue US-Strategie, die sich zunehmend auf die nördliche und westliche Hemisphäre (Nordamerika, Grönland, Teile Westeuropas) konzentriert, betrachtet die EU nicht mehr als partnerschaftlichen Block, sondern teils als wirtschaftlichen Konkurrenten.2 Gleichzeitig koordiniert Russland mit China die Expansion ihrer Sphären, um den westlichen Einfluss in Eurasien und dem globalen Süden zurückzudrängen.1
In diesem Szenario ist Deutschland, isoliert betrachtet, zu klein, um als globaler Akteur wahrgenommen zu werden, und zu exponiert, um sich der Logik der Blöcke zu entziehen.
Die Relevanz der EU - oder genauer die derzeitige Nichtrelevanz derselben
- lässt sich am deutlichsten an ihrer Nicht-Teilnahme an den entscheidenden Prozessen der Neuordnung ablesen. Das prägende Ereignis der Jahre 2025/2026 ist das Friedensabkommen zur Beendigung des Ukraine-Krieges, das primär bilateral zwischen Washington und Moskau ausgehandelt wurde.
Die Anatomie des Verrats: Analyse des so genannten Ukraine-Friedensplans 2025
Der als "Grand Bargain" bezeichnete Friedensplan, der Ende 2025 Gestalt annahm, offenbart diese neue Realität: Die Sicherheitsarchitektur in Europa wird ohne Europa entschieden. Die Analyse der durchgesickerten 28 Punkte des Plans zeigt, dass die USA bereit sind, europäische Sicherheitsinteressen für eine Stabilisierung der Beziehungen zu Russland und eine Konzentration auf China zu opfern.7
Verrat also auf der ganzen Linie. Der Plan sieht vor, dass die Ukraine die Krim, Luhansk und Donezk faktisch als russisches Territorium anerkennt – und zwar inklusive der Teile des Donezk-Gebiets, die zum Zeitpunkt der Verhandlung noch unter ukrainischer Kontrolle waren.7 Die Frontlinien in Cherson und Saporischschja werden eingefroren ("frozen conflict"), was einer de-facto Teilung des Landes gleichkommt. Noch gravierender für die langfristige Rolle der EU und Deutschlands ist die Festschreibung der ukrainischen Neutralität. Ein NATO-Beitritt wird für mindestens 20 Jahre ausgeschlossen.7
Dies signalisiert das formale Ende der "Open Door Policy" der NATO und validiert Putins Anspruch auf eine Einflusssphäre in Osteuropa. Die ukrainischen Streitkräfte sollen auf 600.000 Mann begrenzt werden, was zwar hoch erscheint, aber angesichts der russischen Bedrohung eine signifikante Einschränkung der Souveränität darstellt.
Während die USA und Russland über nukleare Nichtverbreitung und Arktis-Ressourcen verhandeln (Bestimmungen 13 und 17), wird der EU lediglich die Rolle des Zahlmeisters zugewiesen. Position 14 des Plans sieht vor, dass Europa 100 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau bereitstellt, während US-Firmen über einen "Ukraine Development Fund" Zugriff auf Investitionen und Profite erhalten.7
Die Tatsache, dass der EU-Afrika-Gipfel im November 2025 durch die Ankündigung des US-Plans völlig überschattet wurde, illustriert den Bedeutungsverlust darüber hinaus.6 Europa wird nicht als strategischer Akteur konsultiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die im Plan vorgesehen sind, werden als "zuverlässig" aber vage beschrieben und hängen primär vom Wohlwollen der USA ab, nicht von europäischen Zusagen.8
Die Rückkehr der Einflusssphären als Ordnungsprinzip
Die theoretische Basis dieser Neuordnung ist die Abkehr vom Universalismus. Analysten beobachten eine "Großmacht-Koordination" bei der Expansion von Einflusssphären.1 Trumps Interesse am Kauf Grönlands und die Betonung der "nordwestlichen Hemisphäre" deuten auf einen Rückzug auf eine Festung Amerika hin.1 Europa gehört in dieser Sichtweise nur noch bedingt zum Kernbereich US-amerikanischer Interessen ("Core American Area of Influence"). Durch den "Grand Bargain" erhält Russland zugleich implizit freie Hand in seinem "nahen Ausland". Die EU-Osterweiterung wird faktisch gestoppt oder zumindest sicherheitspolitisch entkernt. Peking nutzt im Stillen die Ablenkung des Westens, um seine Dominanz im Indo-Pazifik und seine Kontrolle über globale Lieferketten auszubauen.
Für Deutschland bedeutet dies, dass der traditionelle Schutzschirm Risse bekommt. Die "Vassalisierung" Europas 9 ist eine reale Gefahr: Wenn die EU keine eigene strategische Autonomie entwickelt, wird sie zum Spielball. Doch die Entwicklungen 2025/2026 zeigen, dass die EU eher zerfällt als sich zu emanzipieren.
Die Europäische Union 2026: Bedeutungslosigkeit oder letzter Anker?
Die Ambition, die EU zu einem eigenständigen geopolitischen Pol ("L'Europe Puissance") zu machen, ist weitgehend gescheitert. Der "Draghi-Report" zur Wettbewerbsfähigkeit, veröffentlicht 2024, lieferte eine schonungslose Diagnose der europäischen Schwäche: strukturelle Abhängigkeiten, fehlende Innovation, hohe Energiekosten und eine fragmentierte Verteidigungsindustrie.10 Mario Draghi forderte Investitionen von 800 Milliarden Euro jährlich ("Marshall-Plan Dimensionen") und eine radikale Reform der Entscheidungsprozesse (Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips). Doch die Umsetzung 2025/2026 wurde durch nationale Egoismen blockiert.12 Insbesondere Deutschland, gefangen in internen Haushaltsstreitigkeiten und der Schuldenbremse, verweigerte sich der notwendigen gemeinsamen Schuldenaufnahme ("Eurobonds"), die für eine solche Transformation nötig gewesen wäre. Was damit vor allem ein Land trifft: Uns selbst.13
Verteidigung ohne Schwert
Zwar haben die NATO-Staaten auf dem Gipfel in Den Haag 2025 das Ziel für Verteidigungsausgaben auf 3,5% des BIP erhöht.15 Doch Geld allein schafft keine Strategie. Die europäische Verteidigungsindustrie bleibt zersplittert. Es gibt keine europäische Armee, sondern 27 nationale Streitkräfte mit inkompatiblen Waffensystemen. Ohne die USA fehlt der EU die Logistik, die Aufklärung und die nukleare Abschreckung, um Russland paroli zu bieten. Die "Bedeutung" der EU in dieser neuen Weltordnung reduziert sich somit auf zwei Funktionen:
Binnenmarkt-Regulierer: Die EU bleibt relevant durch ihre Marktgröße (450 Millionen Konsumenten). Sie kann durch Regulierung (Brussels Effect) Standards setzen, allerdings mit abnehmender Wirkung, da China und die USA zunehmend eigene Standards durchsetzen.
Zahlmeister: Die EU finanziert Stabilität in der Peripherie, hat aber kein Mitspracherecht bei den politischen Entscheidungen (siehe Ukraine-Friedensplan).7
Die geopolitische Ohnmacht befeuert interne Zentrifugalkräfte. Die "Neue Hanse" (Hansa 2.0) – eine Allianz aus nordischen und baltischen Staaten sowie den Niederlanden – formiert sich als Gegenpol zu Paris und Berlin, um eine "Transferunion" zu verhindern.16 Diese Gruppe orientiert sich sicherheitspolitisch oft enger an den USA und Großbritannien als an der EU-Kernachse. Wenn Deutschland schwankt, droht der EU nicht nur Bedeutungslosigkeit nach außen, sondern der Zerfall von innen.
Deutschland ohne die EU? Der Untergang.
Deutschland ist keine autarke Insel, sondern eine extrem offene Volkswirtschaft. Die Exportquote liegt bei fast 50% des BIP, wobei über die Hälfte der Exporte in den EU-Binnenmarkt gehen.20 Ein Austritt aus dem Binnenmarkt würde bedeuten, dass Zölle, Grenzkontrollen und regulatorische Barrieren ("Non-Tariff Barriers") wieder eingeführt werden.
Studien des WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung) und anderer Institute quantifizieren die Kosten eines Dexit drastisch:
BIP-Einbruch: Deutschland würde einen jährlichen Wohlstandsverlust von ca. 200 bis 500 Milliarden Euro erleiden.18
Realeinkommen: Der Rückgang der Realeinkommen wäre in Deutschland stärker als in jedem anderen Land, das die EU verließe, da die deutsche Industrie tiefer in europäische Wertschöpfungsketten integriert ist als jede andere.22
Arbeitsplätze: Schätzungen gehen von über 2,5 Millionen gefährdeten Arbeitsplätzen aus, nicht "sofort", aber schleichend durch Deindustrialisierung in den Folgejahren.21
Das Währungsproblem: Die Aufwertung der Neuen D-Mark
Ein Dexit impliziert zwingend das Ende der Euro-Mitgliedschaft. Die Wiedereinführung einer nationalen Währung (Neue Deutsche Mark) hätte verheerende Folgen.
Aufwertungsschock: Die neue Währung würde gegenüber den Währungen der verbleibenden (und geschwächten) Euro-Länder sowie global sofort massiv aufwerten (Schätzungen: +20% bis +30%).
Exportkollaps: Deutsche Produkte ("Made in Germany") würden über Nacht auf den Weltmärkten um 30% teurer. Für preissensible Güter wie Maschinen oder Autos wäre dies das Todesurteil im Wettbewerb mit China oder Japan.20
Bilanzrezession: Deutsche Auslandsvermögen sind größtenteils in Euro denominiert. Eine Aufwertung der heimischen Währung würde den Wert dieser Vermögen in der nationalen Bilanz massiv entwerten.
Die TARGET2-Bombe: Ein Billionen-Verlust
Ein oft übersehener technischer Aspekt ist das TARGET2-System der EZB. Die Deutsche Bundesbank hat Forderungen gegenüber dem Eurosystem in Höhe von ca. 1 Billion Euro aufgebaut (Stand 2024/2025).24 Diese Forderungen entstehen, wenn Kapital aus Südeuropa nach Deutschland fließt (z.B. für den Kauf deutscher Waren oder als Kapitalflucht). Das Risiko: Bei einem Austritt Deutschlands und einem Zerfall der Eurozone würden die Schuldnerländer (Italien, Spanien) ihre Verbindlichkeiten gegenüber der EZB nicht in harter "Neuer D-Mark", sondern in ihren abgewerteten nationalen Währungen begleichen – oder gar nicht (Default). Die Konsequenz: Die Forderung der Bundesbank wäre uneinbringlich. Der deutsche Staat müsste die Bundesbank rekapitalisieren. Der deutsche Steuerzahler würde also 1 Billion Euro verlieren – eine Summe, die den Bundeshaushalt für Jahrzehnte sprengen würde.26
Der Abstieg zur Mittelmacht
Ohne die EU wäre Deutschland ein Nationalstaat mit 84 Millionen Einwohnern, einer schrumpfenden Bevölkerung und ohne Atomwaffen. In einer Welt der Titanen (USA, China, Russland) wäre das politische Gewicht marginal. Die EU dient Deutschland derzeit als "Kraftverstärker". Allein kann Deutschland keine globalen Standards setzen. Innerhalb der EU diktiert Berlin (oft) die Regeln für 450 Millionen Menschen, denen sich auch US-Tech-Giganten (DSGVO, AI Act) beugen müssen. Ohne diesen Hebel wird Deutschland zum "Regel-Nehmer" (Rule Taker) statt "Regel-Geber" (Rule Maker).
Eine isolierte Bundesrepublik wäre den US-Zöllen schutzlos ausgeliefert. Die Trump-Administration hat bereits Zölle von 10-20% auf EU-Importe angedroht.13 Ohne die Vergeltungsmacht der EU-Kommission müsste Deutschland bilaterale Deals zu schlechteren Konditionen akzeptieren. Auch gegenüber China wären wir quasi ein Zwerg. Peking nutzt bereits jetzt die Strategie des "Teile und Herrsche". Ein einzelnes Deutschland wäre noch leichter unter Druck zu setzen, etwa durch Drohungen gegen die Automobilindustrie, um politisches Wohlverhalten (z.B. bei Taiwan) zu erzwingen.28 Und bei Russland sähe es nicht anders aus. Ohne die kollektive Beistandsgarantie der EU (Artikel 42.7) und möglicherweise geschwächter NATO-Bindung wäre Deutschland anfälliger für hybride Bedrohungen und Energie-Erpressung.29
Die Anatomie der wirklichen Deindustrialisierung
Die Frage nach der "wirtschaftlichen Zukunft" muss sektor-spezifisch beantwortet werden. Die Daten zeigen, dass die deutsche Kernindustrie (Automobil, Chemie, Maschinenbau) einen Dexit nicht in ihrer jetzigen Form überleben würde.
Die Automobilindustrie: Das Herzstück vor dem Infarkt
Die Automobilindustrie ist für einen signifikanten Teil der deutschen Wertschöpfung verantwortlich. Sie leidet bereits unter der Transformation zur E-Mobilität und der Konkurrenz aus China.32
Faktor | Auswirkung eines Dexit | Datenbasis/Quelle |
Lieferketten | Zusammenbruch der "Just-in-Time" Produktion. Teile überqueren Grenzen oft mehrfach. Zölle und Wartezeiten zerstören Margen. | 32 |
Zölle | 10% Zoll auf Exporte in die EU (WTO-Regeln). Verlust des zollfreien Zugangs zu EU-Partnerländern (durch FTAs). | 20 |
Arbeitskräfte | Verlust des Zugangs zu Fachkräften aus Osteuropa durch Wegfall der Freizügigkeit. Verschärfung des Fachkräftemangels. | 34 |
Absatzmarkt | Verlust von Marktanteilen im Binnenmarkt durch Preissteigerung (Währungsaufwertung). | 23 |
Studien zeigen, dass ein Nachfrageschock von 10% bei Autos in Deutschland zu einem Beschäftigungsverlust von 0,7% führen würde – deutlich höher als in Frankreich (0,2%), da Deutschland stärker exportabhängig ist und mehr Montage im Inland hält, während Vorprodukte importiert werden.32
Ein Dexit würde diesen Schock potenzieren.
Chemie und Energie: Das Ende der Wettbewerbsfähigkeit
Die Chemieindustrie (BASF, Bayer etc.) kämpft bereits mit hohen Energiekosten nach dem Wegfall von russischem Gas.35 US-LNG Abhängigkeit: Deutschland bezieht 2025/2026 ca. 95% seines LNG aus den USA.36 Dies macht die Industrie politisch erpressbar. Ein isoliertes Deutschland hat keine Verhandlungsmacht gegenüber US-Exporteuren. Die deutsche Chemieindustrie ist zudem auf das EU-Regelwerk REACH abgestimmt. Ein Austritt würde eine Doppelregulierung erfordern, was die Bürokratiekosten massiv erhöhen würde. Die Folge? Bereits jetzt investieren Konzerne wie BASF verstärkt in China oder den USA ("Verbund"-Standorte). Ein Dexit oder eine zerfallende EU würden diesen Trend zur Flucht aus dem Standort Deutschland beschleunigen ("Deindustrialisierung").4
Maschinenbau: Der Mittelstand im Feuer
Der Maschinenbau (VDMA) ist extrem exportorientiert. Die Stimmung ist bereits 2025 schlecht, mit 61% der Firmen, die keine Besserung erwarten.37 Maschinenbau ist auf offene Märkte angewiesen. Zölle und die neue Bürokratie an den Grenzen würden die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber chinesischen Anbietern, die staatlich subventioniert werden, weiter untergraben.28 Die "Industrie 4.0"-Strategie erfordert digitale Standards. Ohne die EU-Normungsmacht würde Deutschland Gefahr laufen, technologisch isoliert zu werden oder US/China-Standards übernehmen zu müssen.38
Innenpolitische Instabilität: Der Nährboden des Niedergangs
Die Frage nach der internationalen Rolle Deutschlands kann nicht ohne den Blick nach innen beantwortet werden. Ein Land, das politisch gelähmt ist, kann außenpolitisch nicht agieren. Die Bundestagswahl vom Februar 2025 hat die politische Landschaft zersplittert. Der Zusammenbruch der Ampel-Koalition und das Erstarken der Ränder (AfD, BSW) machen stabile Regierungsbildungen extrem schwierig.39 Die Gesellschaft ist tief gespalten ("Ost-West-Divide", "Stadt-Land-Divide").41 Diese innere Zerrissenheit bindet enorme politische Energie. Der Kanzler ist permanent im Krisenmodus, was Deutschlands Führungsrolle in Europa (selbst wenn es in der EU bleibt) schwächt.43 Der politische Konsens, nicht mit der AfD zu koalieren, gerät immer weiter unter Druck, wie lokale Abstimmungen zeigen. Vielleicht das grösste Problem. Denn: Eine Regierungsbeteiligung europafeindlicher Kräfte würde Deutschlands Rolle als "Stabilitätsanker" Europas endgültig zerstören.40 Mit nicht auszudenkeden Folgen für die EU und damit - quasi als Bummerang - wieder für uns selbst.
Soziale Folgen eines Dexit
Die ökonomischen Verluste eines Dexit würden einschlagen wie eine Bombe. Anders kann man es wohl nicht sagen. Viel Studien beschreiben dies anschaulich. So geht man uni sono davon aus, dass der Wegfall von 200-500 Mrd. Euro im BIP massive Kürzungen im Sozialstaat erzwingen würde. Und dies würde genau jene Wählerschichten treffen, die oft für populistische Parteien stimmen.41 Das Resultat wäre eine Spirale aus wirtschaftlichem Niedergang und politischer Radikalisierung – "Weimarer Verhältnisse" in einer globalisierten Welt. Dass die CDU bereits jetzt den Sozialstaa zusammenstreicht, ist vor diesem Hintergrund ganz klar mehr als ein Problem. Es ist die Wegbereitung für den endgültigen Machtverklust der Demokraten. Ein Blick in dei USA sollte uns klarwerden lassen, wohin dies am Ende führt.
Fazit: Die Integration ist alternativlos
Die Analyse der geopolitischen, ökonomischen und institutionellen Daten führt zu einem eindeutigen Ergebnis.
In einer Welt, die von den USA und Russland/China neu aufgeteilt wird, ist die Europäische Union als politischer Gestalter marginalisiert worden. Der "Grand Bargain" über die Ukraine 2025 hat gezeigt, dass Brüssel in Fragen der Hard Power ("Krieg und Frieden") irrelevant ist. Dennoch bleibt die EU lebensnotwendig als ökonomisches Schutzschild. Sie ist die einzige Entität, die verhindern kann, dass europäische Nationalstaaten vollständig zu Vasallen der Supermächte degradiert werden. Ohne den Binnenmarkt und die gemeinsame Handels- und Währungspolitik wäre der Wohlstand Europas in der neuen tripolaren Ordnung nicht zu halten
Deutschlands Zukunft ohne die EU?
Kurz gesagt. Keine!
Die Frage, ob Deutschland ohne die EU eine "wirtschaftliche Zukunft" und "politisches Gewicht" hat, muss mit einem klaren Nein beantwortet werden.
Ökonomisch wäre ein Dexit ein Akt der Selbstverstümmelung. Er würde das Geschäftsmodell der "Deutschland AG" (Export, offene Grenzen, integrierte Lieferketten) zerstören. Der Wohlstandsverlust wäre beispiellos, die Deindustrialisierung würde sich beschleunigen, und die finanzielle Last der TARGET2-Ausfälle würde den Staatshaushalt ruinieren.
Politisch würde Deutschland international kein Gewicht mehr haben. Das nämlich resultiert im 21. Jahrhundert aus Skaleneffekten ("Scale"). Deutschland allein fehlt diese Skalierung. Außerhalb der EU wäre Berlin keine souveräne Macht ("Sovereignty"), sondern eine isolierte Mittelmacht, die zwischen den Blöcken zerrieben wird. Die Vorstellung, Deutschland könne als neutrale "Brücke" oder Anführer einer "Nord-Allianz" agieren, ist eine gefährliche Illusion, die die realpolitischen Härten der US- und China-Politik verkennt.
In der neuen Weltordnung der Einflusssphären ist die EU für Deutschland kein "Gefängnis", sondern die "Lebensversicherung". Deren Kündigung würde nicht in die Freiheit führen, sondern in die geopolitische Obdachlosigkeit.
Verzeichnis der verwendeten Quellen (Auszug)
Geopolitik & Einflusssphären: 1
Ökonomische Folgen Dexit: 18
Währungssystem & TARGET2: 24
Industrie & Sektoren: 4
Innenpolitik Deutschland: 39
EU-Struktur & Verteidigung: 10
Referenzen
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A Return to US and Russian Spheres of Influence? Don't Be Silly - CEPA, Zugriff am Januar 10, 2026, https://cepa.org/article/a-return-to-spheres-of-influence-dont-be-silly/
How Russia's Quest for Influence Made It Embrace Chaos - Moscow's Strategic Trajectory from Partner to Disruptor - CIRSD, Zugriff am Januar 10, 2026, https://www.cirsd.org/en/horizons/horizons-winter-2025-issue-no-29/how-russias-quest-for-influence-made-it-embrace-chaos
A New Transatlantic Bargain: The Case for Building a Strong European Pillar - Belfer Center, Zugriff am Januar 10, 2026, https://www.belfercenter.org/transatlantic-bargain
The Impact of Evolving Threat Perceptions on the Transatlantic Alliance - RUSI, Zugriff am Januar 10, 2026, https://my.rusi.org/resource/the-impact-of-evolving-threat-perceptions-on-the-transatlantic-alliance.html
The German car industry has become more sustainable. Here's how, Zugriff am Januar 10, 2026, https://www.weforum.org/stories/2022/09/german-car-industry-sustainable-supply-chain/
a critical first response to mario draghi's competitiveness report | ceps, Zugriff am Januar 10, 2026, https://cdn.ceps.eu/wp-content/uploads/2025/01/2024-07_A-CRITICAL-FIRST-RESPONSE-TO-MARIO-DRAGHIS-COMPETITIVENESS-REPORT.pdf
The Draghi report on EU competitiveness - European Commission, Zugriff am Januar 10, 2026, https://commission.europa.eu/topics/competitiveness/draghi-report_en




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